Frauen im Handwerk

Wenig Frauen im gewerblich-technischen Handwerk

Gründungsanteil von Frauen im Handwerk beträgt 25 Prozent

 

In Deutschland arbeiten laut Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) in rund 967.000 Handwerksbetrieben etwa 4,8 Millionen Menschen oder gut 12 Prozent der Erwerbstätigen. Ein Drittel von ihnen sind Frauen, und sie arbeiten vorwiegend in den Bereichen Gesundheit, Körperpflege und Bekleidung.

Die große Mehrheit der Frauen im Handwerk ist in den kaufmännischen Berufen tätig, beispielsweise als Fachverkäuferin oder Bürokauffrau. Nach Angaben des ZDH lag der Frauenanteil 2007 unter den Auszubildenden in diesem Bereich bei über 80 Prozent. In den gewerblich-technischen Handwerksberufen waren dagegen nur knapp 17 Prozent der Auszubildenden weiblich. Und dort werden von Frauen nach wie vor besonders die klassischen Berufe wie Friseurin (Frauenanteil unter den Auszubildende 2007: 90 Prozent), Änderungsschneiderin (88 Prozent), Augenoptikerin (75 Prozent) und Zahntechnikerin (56 Prozent) nachgefragt. Entsprechend hoch ist der Frauenanteil unter den Lehrlingen in den Sparten Gesundheits-, Körperpflege- und Reinigungsberufe (76 Prozent) sowie Bekleidungs-, Textil- und Lederwarenhandwerk (58 Prozent). Im Bau- und Ausbauhandwerk, im Elektro- und Metallhandwerk sowie im Holzhandwerk ist nicht einmal jede zehnte Auszubildende weiblich. Vor dreißig Jahre allerdings lag der Frauenanteil in diesen Bereichen bei nahezu null Prozent. Wenn sich Frauen aber für „typisch männliche“ Handwerksberufe entscheiden, dann schneiden sie bei den Abschlussprüfungen, so die Bundesagentur für Arbeit (BA), durchschnittlich erfolgreicher ab als ihre männlichen Kollegen.

Ein steigender Frauenanteil ist bei den Meisterprüfungen zu verzeichnen: Vor 30 Jahren waren nur rund sieben Prozent der Handwerksmeister Frauen, laut aktuellen Zahlen der BA sind es inzwischen über 15 Prozent. Und viele von ihnen gründen ihr eigenes Unternehmen oder übernehmen einen bestehenden Betrieb. „Nach meiner Erfahrung ist es für karrierebewusste Handwerkerinnen ein Ziel, selbstständig zu sein“, so Alexander Legowski, Pressesprecher des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks. Laut einer aktuellen Untersuchung der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) Bielefeld beträgt der Gründungsanteil von Frauen im Handwerk 25 Prozent. Etwa 80 Prozent sind Neugründungen, jede fünfte Gründerin übernahm einen Betrieb. Entsprechend der Verteilung in den Ausbildungsberufen gründen bisher drei Viertel der selbstständigen Handwerkerinnen in „frauentypischen“ Gewerken, vor allem als Friseurin oder Kosmetikerin. Die Studie der FHM ist die erste, die sich speziell mit dem Gründungsverhalten von Frauen im Handwerk beschäftigt.

Die Zukunftsperspektiven im Handwerk beurteilt Legowski als „grundsätzlich gut“, vor allem in den neuen Bundesländern fehle es an Nachwuchskräften: „Wir brauchen im Handwerk hoch qualifizierte junge Frauen - und natürlich auch Männer.“


Weitere Informationen:
Zentralverband des Deutschen Handwerks e.V.

Statistisches Bundesamt: Berufliche Bildung, Fachserie 11 Reihe 3 (2007)

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